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Phantomschmerz

Was macht ihr in dem Moment, in dem ihr ein Gebäude verlasst; sei es um aus der Wohnung oder aus der Arbeit zu gehen? Hosentasche rechts, Hosentasche links, einfach kurz berühren und somit sichergehen, dass man das Wichtigste bei sich hat: Schlüssel, Portemonnaie, Smartphone. Im Winter oder zu anderen Zeiten, zu denen man Jacken trägt, äußert sich das auch oft in vier Schritten. Rechts unten, links unten, rechts etwas höher, links etwas höher. Welch ein Ärgernis wäre es denn, wenn ich die Haustür hinter mir zuziehe und bemerke, dass der Schlüssel noch in der Wohnung liegt. Wie sehr würde ich mich ärgern, wenn ich unterwegs bemerken würde, dass ich Geldbeutel oder Smartphone vergessen habe.

Diese Gestik kann man bei jeder Person beobachten, auch wenn die Person währenddessen noch etwas anderes tut. Es ist ein automatisch abgerufenes Verhalten. Dazu benötigt es kein aktives Denken, doch wenn etwas fehlt werden wir sofort aufmerksam. Mir selbst kommt es wie eine Alarmbereitschaft vor, denn auch mein Puls wird dabei kurz etwas höher und ich werde leicht nervös. In diesem Moment fehlt etwas, was zu mir gehören sollte.

Doch das ist längst nicht alles. Ich merke immer wieder und immer öfter, wie ich diesen Prozess auch während anderen und alltäglichen Dingen kurz durchgehe. Oft nicht mit den Händen, denn beim Gehen oder Sitzen spürt man das ja auch ohne Tatschen. Meist lege ich beim Sitzen mein Smartphone auf den Tisch vor mir. Auch wenn ich das gerade eben erst getan habe spüre ich kurz darauf, dass dort etwas fehlt und greife dann panisch mit der Hand an die Hosentasche. Verdammt, das Smartphone ist weg, hatte ich das nicht gerade eben noch? – Ich Idiot. Es kann auch gerne vorkommen, dass ich das ein paar Mal hintereinander habe. Der Höhepunkt dieses Verhaltens ist die panische Reaktion »ich spüre mein Smartphone nicht« während ich es gerade in der Hand halte und etwas damit tue.

Bei mir nimmt das nun ein Ausmaß an, dass ich mir jene Gedanken dazu gemacht habe. Wie dumm ist denn mein Hirn, wenn ich mich frage, wo mein Smartphone ist, obwohl ich es in der Hand halte? Ist dieser Prozess so sehr in mir verankert? Ist das Macke oder Normalität? Werde ich einfach nur alt und vergesslich? Und überhaupt: wieso beschäftigt mich ein solch automatisiertes Verhalten so sehr? Eigentlich sollte ich davon doch fast nichts mitbekommen.

Vielleicht fällt euch jetzt auch auf, wie oft man das eigentlich tut. Damit würde ich euer Leben ein kleines bisschen zerstören. Das wäre für mich in dem Fall okay. Das wäre natürlich nicht meine Absicht.

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