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Instant Verantwortung

Jeder selbstständig lebende Mensch trägt die Verantwortung über sein Leben alleine, das impliziert nun mal das Wort „selbstständig“. Doch Verantwortung ist nicht gleich Verantwortung. In den letzten schätzungsweise drei Monaten wurde jene Verantwortung, die ich mit mir trage, konstant größer. Das waren drei Sätze mit „Verantwortung“ hintereinander, was meinen deutschen Sprachstil unterstreicht.

Beginnen wir simpel. Man kommt in machen Kreisen ein bisschen rum; hier ist es ein medialer Internet-Etwas-Kreis. Man lernt bekanntere und einflussreichere Menschen kennen, unterhält sich, es kommt zu Mailverkehr. Letztendlich ergeben sich immer öfter Möglichkeiten, um das weitere Leben in eine bestimmte Richtung zu lenken. Zusammen mit zwei Freunden sind wir auf der Suche nach einem Investor für ein Startup. Es wird ein Vortrag darüber vor jemandem gehalten, der andere Menschen kennt, die viel Geld besitzen und somit als Investor in Frage kommen. Verantwortung hier: Der Gedanke, dass man etwas erreichen muss möchte, dafür ein Investment benötigt und ein Ziel vor Augen hat, was letztendlich immer Geld ist.

Die Werbeagentur, in der ich Geschäftsführender Gesellschafter bin, ist nun Agentur für eine große und bekannte in Köln ansässige Firma. Von Social Media bis hin zum Frontend werden alle uns betreffenden Bereich neu strukturiert. Unser Wort zählt. Das ist natürlich gut so, denn die Entscheidungen, die man dort trifft, sollen natürlich die besten sein, doch es ist wieder eine große Verantwortung. Ich bin mir auch sicher, dass jene Entscheidungen, die ich dabei treffe, die richtigen sind. Doch was berechtigt jemanden dazu eine Entscheidung als die richtige anzusehen?

Durch die Verantwortung für diesen recht großen Auftraggeber ist Homeoffice für mich zu einem Teil gestorben. Wichtig hier ist der Ausdruck „zu einem Teil gestorben“, denn ich bin im Büro nicht so produktiv wie zu Hause, weil man im Büro einfach nicht zum richtigen Arbeiten kommt. Ich arbeite gerne daheim und zu Zeiten, zu denen sonst niemand arbeitet. Programmierer eben. Immer wieder Meetings und die Präsenz, die man widerspiegeln sollte, zwingen mich dann oft dazu zwischen Gummersbach und Köln hin und her zu pendeln. Momentan noch etwas befremdlich, doch das wird sich ändern. Es wird immer schwieriger einen Überblick über das Mailpostfach zu behalten. Man wird ständig durch etwas anderes von seinem Ziel aufgehalten. Was das Studium dabei macht? Glücklicherweise müssen wir dieses Semester vergleichsweise wenig in der FH sein. Beides zusammen funktioniert, auch wenn es sehr stressig ist.

Möchte ich das überhaupt? Was möchte ich den Rest meines Lebens machen? Ich sehe mich klar in der Führungsposition, in der ich mich momentan auch befinde. Das klingt sehr egozentrisch, zumindest wenn ich mir diesen Satz vor Augen führe, allerdings habe ich nun mal gerne den Gesamtüberblick und die Entscheidungsgewalt. Ob das Agenturleben für mich das richtige ist kann ich nicht sagen. Ich kann mir vorstellen, dass mir eine eigene Firma, in der man nicht für verschiedenste Kunden arbeitet, besser gefällt.

Eigentlich könnte ich morgen (es ist jetzt Montag, 2:44 Uhr, aber „morgen“ ist Montag, Punkt) problemlos ausschlafen. Doch der Wecker wird irgendwann klingeln, und ich werde wie andere Menschen früh im Büro sein, mit dem Wissen, dass ich daheim in der gleichen Zeit um das dreifache produktiver wäre.