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Was Phonebloks das Genick brechen wird

Mittlerweile hat wohl fast jeder das Video von Phonebloks gesehen und das Konzept dahinter kennengelernt. Die Idee scheint grandios zu sein und man müsste sich nicht mehr durchschnittlich alle zwei Jahre ein neues Smartphone kaufen. Auch ich würde gerne ein Phoneblok (sagt man das dann überhaupt so?) besitzen und habe mich bei Thunderclap dafür auch angemeldet. So schnell man aber von der Idee gepackt wird, so schnell fallen einem Nachteile ein, wenn man länger darüber nachdenkt.

Vorteil ist natürlich die Reduzierung von Elektroschrott. Sobald man etwas von Umweltfreundlichkeit liest und dass man selbst dazu beitragen kann ist der Mensch entzückt. Die Hersteller von Smartphones sind dabei die Bösen, denn sie machen die Geräte so, dass sie nicht lange halten und dass man bald ein neues Gerät erwirbt. Gut für die Hersteller, schlecht für die Umwelt. Außerdem würde jeder gerne selbst an seinem Smartphone herumbasteln. Das macht Spaß und man hat mehr Macht über das, was man erworben hat.

Electronic devices are not designed to last

Das ist der Satz, mit dem die ganze Industrie durch die Suppe gezogen wird. Mittlerweile haben viele mobile Geräte nicht mal mehr einen microSD-Slot, den Akku kann man auch immer weniger auswechseln und man hat sonst auch keine Chance das Gerät zu öffnen. Wie böse von den Herstellern!

Aber in diesem Satz steckt noch etwas anderes: das Wort designed. Smartphones werden nicht einfach in Massenanfertigung konzipiert und hergestellt. Dahinter steckt immer ein Prozess – zumindest sollte es das – in dem entwickelt wird, wie das Gerät am besten in der Hand liegt. Ist die Lautsträkewippe auch dort, wo man mit dem Daumen gemütlich drankommt? Passt es gut in die Hand und in den Handballen? Kommt man beim einhändigen Bedienen mit dem Daumen ohne Verrenkungen überall an den Bildschirm? Hat es scharfe oder störende Spalte?

Dein Lautsprecher samt Wippe befindet sich am oberen Rand? Viel Spaß beim Bedienen der Lautstärkewippe.

Man kann Smartphones nicht immer dünner machen und gleichzeitig den Akku immer noch wie früher wechseln. Es wird immer mehr zum Trend Gehäuse ohne Spalte aus einem Block zu fertigen, weil es sich gut anfühlt. Es ist schlicht und einfach nicht möglich alle Usabilityvorteile zu erhalten und gleichzeitig ein modulares Smartphone herzustellen, das man selbst zusammenstellen kann oder gar eigene Blöcke entwickeln kann.

Erinnert ihr euch noch an die Zeit, in der man die CPU eines Laptops einfach wechseln konnte? Ich auch nicht, denn der Aufwand dazu lohnt sich einfach nicht. Das Innenleben eines modernen Smartphones besteht aus mehr als 15 Teilen, die alle zusammen agieren müssen. Man kann nicht einfach die Prozessoreinheit erneuern, das Smartphone starten und alles ist auf magische Art schneller. Natürlich muss in der Software alles aufeinander abgestimmt werden. Wie das bei einer Vielzahl von modularen Teilen möglich sein soll kann ich mir nicht vorstellen. Ganz geschweige davon, wie das aus elektrotechnischer Sicht funktionieren soll, wovon ich leider keine Ahnung habe.

Sollte es doch umsetzbar sein und ein zusammengestelltes Smartphone billiger als eins von der Stange sein, würde ich es mir kaufen – alleine schon wegen dem Bastelfaktor.