Viva la Vida
Am Anfang steht das Gefühl der Freiheit.
Vielleicht auch ein kleines Stück von Sehnsucht. Nach dem alten, wohl behüteteren Leben mit der Institution Schule, das trotz aller Querellen doch Ordnung gegeben hat.
Egal, erst einmal den Rausch genießen, das Ende von 13 Jahren Büffelei, das Abitur in der Tasche und gut dabei auf dem Abi-Ball.
Der nächste Morgen. Ein Neuanfang. Was kommt jetzt? Nach dem Kitsch von Abi-Ball, Abi-Zeitung und Streich?
Wohl eine kurze Phase des Innehaltens. Nur, um dann durchzustarten, mit einem Praktikum bei der EU-Kommission oder einer Unternehmensberatung.
Ab September geht es dann auf nach Berlin, auf in die WG zusammen mit einem Kumpel und in das Studium der Wirtschaftswissenschaften. „Internationale Wirtschaftsbeziehungen und Entwicklung“ – klingt abschreckend, ist aber hoffentlich fürchterlich spannend. Zumindest bietet der Studiengang Zukunft auf dem Arbeitsmarkt und verspricht, ein Dauerbrenner zu sein, der immer gebraucht wird. Sicherheit ist da so ein Schlagwort, es scheint modern zu sein in einer sich rasant verändernden Welt, in der sich inzwischen auch der Einzelne nicht mehr sicher sein kann, was morgen kommt. Doch der Fels in der Brandung ist nicht alles im Leben. Freiheit soll es sein, und der Anspruch, Erfahrungen zu sammeln mit verschiedenen Menschen und verschiedene Blickwinkel kennenzulernen. Raus aus Deutschland, um die Welt wahrhaft zu erfassen und zu verstehen, in der man lebt. Geschichte ist nicht nur gestern, sie wird heute, morgen und an jedem anderen Tag geschrieben. Dabei zu sein und das zu erkennen, immer den Überblick zu behalten, ein Traum.
Hoffentlich kein vergeblicher. Schenkt man all den Prognosen Vertrauen, die heute und in den letzten 40 Jahren aufgestellt wurden, so wird die Zukunft nicht gerade rosig ausfallen. Riesige Schuldenberge, Umweltkatastrophen, demografischer Wandel, Überbevölkerung – es scheint so, als ob nach einer kurzen Phase des Friedens, der gesellschaftlichen Prosperität in unserem Teil der Welt nun wieder unlösbares Chaos einbricht. Vorausgesetzt, die Erde existiert nach dem 21.12.2012 noch, so wird es unsere Generation sein, die sich mit diesen Problemen auseinandersetzen muss.
Also lieber schnell noch das Leben als Student genießen, ein Leben unter Freunden und mit Verantwortung nur für sich selbst. Das Arbeitsleben scheint diese Möglichkeit nicht mehr zu bieten. Das moderne Leitbild: Flexibel ist der Mensch, einsatzbereit und am besten Nomade.
Für menschliche Schwächen bleibt da kein Platz. Burn-Out nennt sich das dann, wenn man doch einknickt.
Nicht gerade eine verlockende Zukunft. So festgeschrieben, zementiert in ihrem vorherbestimmten Ablauf. Pessimisten sind Optimisten mit Erfahrung, so ein Sprichwort. Eine Erfahrung ist aber auch, dass alles anders kommt, als man planen kann. Wer hätte die Welt vor 50 Jahren so vorher gesehen, wie sie heute ist? Richtig ist, dass man den Kopf nicht in den Sand stecken darf vor den Herausforderungen, die sich stellen. Aber niemals darf man verlernen, das Leben zu genießen.
Ob ich in 20 Jahren genau denselben Idealen nachhängen werde, das kann ich heute nicht sagen. Ich möchte mich in Zukunft mit meiner Arbeit identifizieren können. Den Überblick zu behalten in einer Arbeitswelt, wie wir sie heute kennen, stelle ich mir jedoch schwierig vor. Ob sich diese Bedingungen in den nächsten zwanzig Jahren ändern werden, bezweifle ich, aber ich hoffe es. Mein Wunsch für mein zukünftiges Leben ist es, dass der Mensch wieder mehr im Mittelpunkt steht und weniger die menschlichen Konstrukte, die momentan zentrales Thema sind.
Wer glaubt, etwas zu sein, hat aufgehört, etwas zu werden. Und ein Frosch ohne Humor ist nur ein kleiner grüner Haufen.
Irgend so ein Kumpel da