Von revolutionären Musikmomenten
Was ist es, das ein Lied von 12 Minuten 26 Sekunden nicht langweilig werden lässt? Was ist es, was nach über 40 Jahren immer noch faszinieren kann?
Es ist die Spannung des Moments. Das Wissen um den einen finalen Punkt, der die Spannung entlädt, die Bewegung in Wallung bringt. Der Moment der Ekstase, den man kaum abwarten kann und das Warten selbst doch zu einem Höhepunkt gerät, ohne den die Ekstase keine wäre.
Es ist das Gefühl, dass da Menschen am Werke sind, die ihre Musik leben. Die verstehen, was der Kern der Musik ist.
Die Rede ist von “Child in Time”, geschrieben von Deep Purple 1969, ein zeitloses Werk.
Dies ist keine Schelte auf die bösen Charts, auch kein nostalgischer Rückblick auf andere Zeiten. Es geht um den Charakter der Musik, der unabhängig von Jahreszahlen ist.
Was ist dieser Charakter der Musik, der hier auszumachen versucht wird?
Es ist der Mut. Child in Time ist ein aus heutiger Sicht geniales Werk, dessen Entstehung eines gewissen Muts bedurfte, dem Mut zu einem neuen Lebensgefühl, welches sich in der Musik ausdrückte. Der Rock, zur damaligen Zeit in seinem ersten Aufschwung begriffen, hatte dieses gewisse etwas, den Touch der Veränderung hin zu neuen, noch nicht gehörten Horizonten. Das ist es, was “Child in Time” so unglaublich intensiv wirken lässt, die Spannung des Ungeahnten, die auch nach all den Jahren noch nachhalt und Einfluss üben muss auf alles, was danach kommt.
Derselbe Effekt lässt sich in den meisten Epochen entdecken, sei es in der Musikentwicklung heute klassisch genannter Werke oder auch in der Musikentwicklung der Moderne. Dieses revolutionäre hat die Musik schon immer weitergebracht, hat sie erst hörenswert und unsterblich gemacht.
Doch welche “Grenze” des bisher ungehörten soll als nächstes eingerissen werden? War es in den 60ern die Revolution des Rock, in den 80ern und spätestens den 90ern der Durchbruch der elektronischen Musik oder auch des Technos, so ist doch in den letzten Jahren kein radikaler Einschnitt geschehen.
Das es heutzutage zu wenige Künstler gibt, die Revolutionäres wagen und leben, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Alleine man schaue sich die Musik auf YouTube an, dort mangelt es wie im ganzen Rest des Internets nicht an kreativen Ideen. Doch scheint es, als ob diesen Künstlern das Trittbrett zur breiteren Bekanntheit fehlt. Wird etwa mehr Mut zum unbekannten, nicht berechenbaren von den Musikmanagern gebraucht? Oder vollzieht sich der Wandel, die “Revolution” der Musik in Zeiten des Internets nicht mehr in den bekannten Wegen der Vergangenheit?
Der erste Blog-Eintrag eines Musik-Amateurs. Weitere werden folgen. Bis dahin die Bitte um Kommentare für eine subjektive Sichtweise.
Gezeichnet
Matti