Lasst uns über Alben sprechen
Heute kam ich endlich dazu, mir das ganze Come Around Sundown Album von Kings of Leon anzuhören. Das kam in den Iden des Oktobers auf den Mark. Mittlerweile sind wir in den Iden des Dezembers. Erbärmlich, das zwei Monate lang nicht zu hören. Es ist nämlich geil.
In diesem Zusammenhang geriet ich in ein sehr kurzes Gespräch, wie ich denn dieses Album nicht kennen könnte, wenn die Singleauskopplung Radioactive doch ständig im Radio liefe. Auf meine Frage, wie man denn das Album fände, bekam ich als Antwort, dass man das Album noch nie hörte. Der deutsche Konjunktiv ist irgendwie kacke. Ich würde nicht sagen, dass ich geschockt war, aber ich fand das etwas erbärmlich. Und diesmal nicht von mir.
Mir wurde in diesem Moment etwas ein bisschen bewusst, auch wenn ich jetzt immer noch nicht ganz weiß, warum ich darüber überhaupt so nachdenke.
Jedes Album hat irgendwie eine Singleauskopplung, also eine Single aus dem Album, die schon vor Veröffentlichung des Albums in den Läden steht. Marketing. Aber das hat einen riesigen Nachteil: In den Singlecharts ist meist nur die Singleauskopplung des Albums aufzufinden. Das zerstört den ganzen Sinn des Albums.
Ein Album soll nicht einfach eine Anzahl zusammengewürfelter Tracks sein. Es ist verdammt schwierig, ein richtig gutes Album zu erstellen. Viele Künstler machen sich große Mühe dieses Ziel zu erreichen. Und vielen gelingt das auch. Doch was dankt der dumme Hörer? “Track ist zu ende, jetzt beginnt was neues.” Es beginnt aber nichts neues. Wir sind immer noch in diesem verdammten Komplex eines Albums. Ein verdammt durchdachter Komplex. Klar, es sind und bleiben nur aneinandergereihte Musikstücke, aber diese hängen irgendwie alle zusammen und man gibt sich Mühe, das Ohr des Zuhörers nicht zu überfordern und Abwechslung reinzubringen.
Selbstverständlich hat man nicht immer Zeit, das Album als Ganzes wahrzunehmen. Zwischendurch hört man sich einzelne Songs an. Aber erst der Zusammenhang aller Songs gibt dem Ohr einen Kick. Klingt jetzt scheiße, aber macht mal einen Versuch: Macht nichts, legt euch auf die Couch oder das Bett, lasst ein Album laufen (Ich empfehle immer noch die Kings of Leon) und horcht. Man schwankt ständig zwischen “Ich höre gerade den Song” und “Ich denke gerade über etwas nach”. Aber das stört euch nicht. (Bei zu lauter Musik ist das aber auch nicht möglich.) Ich verspreche euch, würdet ihr kein Album laufen lassen, sondern eine wilde Zusammenstellung verschiedenster Songs klappt das nicht. Man verliert die Lust und kommt aus der Ruhe.
Langes Geschwafel, kurzer Sinn: Bitte hört mehr Alben durch. Musik macht dann viel mehr Laune. Vom Gefühl “Das Lied ist super geil” und “Das Lied kenn ich nicht, ist dementsprechend nicht gut” kommt ihr total weg. Das ist gut so. Das Gefühl ist nämlich total kacke, außer man hört ein wirklich schlechtes Album.
Deshalb gehören auch Musikkritiker verboten. Wenn man schon liest, dass das Lied und dieses Lied und jenes Lied aus dem Album zu “relaxt” und “dahinplätschernd” ist, gehört dem Schreiber der Hals umgedreht. Wir sind hier nicht bei Rammstein, wo wir einen Speed-Track nach dem anderen rauskloppen. (Ich steh total auf Rammstein, und so gestalten die auch keine Alben. Bei denen ist das genauso abwechselnd. Sollte jetzt nur ein rhetorisches Gelaber sein.)
Was lernt man aus meinem unnötigen Geschwafel? Wenn ihr das nächste Mal einen Song hört, der euch gefällt, und ihr habt noch nicht das Album dazu gehört, hört es euch unbedingt direkt ganz an! (Außer, es gibt kein Album). Sonst mag ich euch nicht.
Hochachtungsvoll.